Höhenmedizin

Aufenthalte des Menschen in großen Höhen bieten eine wertvolle Möglichkeit die verschiedenen Anpassungsvorgänge der menschlichen Physiologie zu untersuchen. Angefangen bei den ersten Studien von hypobaren Bedingungen durch den Deutschen Pionier Nathan Zuntz (1847-1920), über die erste Besteigung des Mount Everest ohne zusätzlichen Sauerstoff durch Reinhold Messner und Peter Habeler (im Jahr 1978), zu dem heutigen “Massentourismus” in hochgelegenen Gebirgsregionen, kann gezeigt werden, dass der menschliche Organismus in großen Höhen verschiedensten Herausvorderungen ausgesetzt ist.

Die offensichtlichste Veränderung ist der Sauerstoffmangel einhergehend mit einer Reduktion der physischen Fähigkeiten (Reduktion der VO2max) auf die der Organismus mit Hyperventilation reagiert. Dies wiederum kann zu einer Verminderung von CO2 (Hypocapnie) führen und so erhebliche Verschiebungen im Säure-Base-Haushalt hervorrufen, was letztlich weitere Konsequenzen für andere physiologische Funktionen hat. Des Weiteren ist die Luft in großen Höhen sehr viel kälter und trockener als unter normobaren Bedingungen – daher kann es schnell zu Hypothermie und Veränderungen im Flüssigkeitshaushalt kommen. Das Auftreten der akuten Höhenkrankheit (bestehend aus Lungen- und Hirnödem), insbesondere bei Bergsteigern, die nicht höhenakklimatisiert sind und zu schnell aufsteigen, kann tödliche Folgen haben.

Das Wissen, das im Bereich der Höhenmedizin gesammelt wird, spielt ebenfalls eine Rolle in angrenzenden Bereichen wie der Flug- und Weltraummedizin, wo Menschen häufig Gasgemische mit veränderter Zusammensetzung und verändertem Druck atmen, sowie der Tauchmedizin im Hinblick auf die Entstehung der Caisson-Krankheit (Dekompressionskrankheit), insbesondere wenn hypobare und hyperbare Bedingungen miteinander kombiniert werden, wie beim Tauchen in hochgelegenen Bergseen.

Studien mit Probanden, die unterschiedlich an die Höhenbedingungen angepasst sind, können unser Verständnis darüber, wie sich die verschiedenen physiologischen Funtkionen unter hypobaren Bedingungen verhalten, verbessern. Momentan werden bei chilenischen Minenarbeitern, die in Höhen zwischen 2800 m und 4800 m über Meereshöhe leben und arbeiten, Untersuchungen durchgeführt. Hierbei kommen miniaturisierte Messsysteme zum Einsatz, die kontinuierlich Daten zum Energieumsatz, der Herzfrequenzvariabilität, des Schlafes und anderer Parameter messen und aufzeichnen.

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